Methodikhandbuch: Regulierte Finanzplanung für kleine VNBs
Dieses Handbuch beschreibt die Denkstruktur hinter dem Szenarienrechner-EOG. Es richtet sich an kleine und mittlere Stadtwerke, die Maßnahmen in Strom- und Gasnetzen wirtschaftlich, regulatorisch und governance-fähig planen müssen.
Warum regulierte Finanzplanung anders ist
In regulierten Sparten reicht normales Investitionscontrolling nicht aus. Eine Maßnahme kann technisch notwendig sein, im Wirtschaftsplan Liquidität binden, handelsrechtlich aktiviert oder als Aufwand behandelt werden, regulatorisch zeitversetzt wirken und im Gremium trotzdem erklärungsbedürftig bleiben.
Deshalb betrachtet die Methodik jede Maßnahme aus fünf Sichten:
| Sicht | Leitfrage | Typische Rolle |
|---|---|---|
| Technik | Warum ist die Maßnahme fachlich notwendig? | Asset Management, Netzbetrieb |
| Wirtschaftsplan | Wann werden Budget und Liquidität belastet? | Controlling, Finanzen |
| HGB/Bilanzierung | Was wird aktiviert, abgeschrieben oder als Aufwand behandelt? | Anlagenbuchhaltung, Rechnungswesen |
| Regulierung | Welche Annahmen berühren EOG, Kapitalbasis, Kostenprüfung oder Qualität? | Regulierungsmanagement |
| Governance | Was ist belegt, was ist offen, was ist entscheidungsreif? | Management, Gremium, Revision |
Strom und Gas unterscheiden
Strom ist in vielen VNBs von Elektrifizierung, Anschlussleistung, Digitalisierung und Netzausbau geprägt. Gas ist stärker durch Transformationspfade, Restnutzungsdauer, Reinvestitionszurückhaltung, Rückbaufragen und KANU-Kontext geprägt.
Die App behandelt beide Sparten gemeinsam, aber nicht gleich. Gerade deshalb müssen Annahmen sichtbar bleiben.
Von der Maßnahmenliste zur Entscheidung
Ein belastbarer Prozess besteht aus sechs Schritten:
- Datenlage klären: Wirtschaftsplan, Maßnahmenliste, Anlagenbuchhaltung, Regulierungsdaten und technische Evidenz zusammentragen.
- Maßnahmen strukturieren: CAPEX/OPEX, Jahr, Nutzungsdauer, Aktivierbarkeit und Verantwortlichkeit erfassen.
- Wirkannahmen explizit machen: Qualitäts-, Effizienz-, Risiko- oder Portfolioeffekte nie versteckt als Fakten behandeln.
- Szenarien bilden: konservativ, basis und wertorientiert als Bandbreiten statt Scheingenauigkeit.
- Klärpunkte führen: offene Fragen mit Verantwortlichkeit und Auswirkung dokumentieren.
- Entscheidung vorbereiten: Zahlen, Annahmen, Risiken und Alternativen in eine verständliche Vorlage übersetzen.
Was die App bewusst nicht tut
Sie prognostiziert keine regulatorische Anerkennung, trifft keine automatische Investitionsentscheidung und ersetzt keine Einzelfallberatung. Sie zwingt aber dazu, Annahmen, Evidenz und Klärpunkte sauber zu trennen.
Typisches Ergebnis
Am Ende steht kein bloßes Rechenergebnis, sondern ein entscheidungsfähiger Arbeitsstand: Modell, Historie, Report, offene Punkte, Zuständigkeiten und exportierbare Datei.